Innovation ja, aber richtig

Wie Sie Innovation fest in Ihrem Unternehmen verankern

Johannes Josnik

Johannes Josnik

Geschäftsführender Gesellschafter

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Verbraucher sehnen sich nach echten Produktinnovationen. Diese kommen im deutschen Mittelstand allerdings deutlich zu kurz. Die meisten Deutschen halten den Mittelstand für wenig innovativ und vermissen echte Produktneuheiten und Service-Innovationen. Diese sind nicht nur der zweitwichtigste Faktor bei der Produktauswahl von Verbrauchern, sondern sichern auch die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Innovation muss daher fest im Unternehmen verankert sein, um langfristig Erfolge feiern zu können. 

Eine jährlich in Deutschland durchgeführte Studie (absatzwirtschaft 2019), an der 160 Unternehmen und Marken aus 20 verschiedenen Branchen teilnehmen, fand heraus, dass 93,4 Prozent der Befragten die Produkte und Dienstleistungen von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland für wenig innovativ halten. Um dem entgegenzuwirken, müssen mittelständische Unternehmen eine Innovationsstrategie entwickeln, die es kontinuierlich erlaubt, Innovationen in Produkte sowie Prozesse einzubauen, die dynamisch ist und sich fortlaufenden Veränderungen anpasst. Hierzu gehört die Förderung von Innovationen durch das Top-Management, die Etablierung von Innovation in der Unternehmenskultur und das Erkennen von Innovationstrends. Des Weiteren müssen Strukturen und Prozesse so festgelegt sein, dass Innovationen gefördert werden können und das Potenzial von Kooperationen und Förderungen muss genutzt werden.

Förderung durch Top-Management

Um Innovationen im Unternehmen erfolgreich zu integrieren, muss das Top-Management eines Unternehmens diese fördern. Nur wenn das Management-Team tatsächlich innovieren will und dies seinen Mitarbeitern kommuniziert, wird ein Unternehmen innovativ sein können. Ein Manager, der sich nur für Unternehmenszahlen und nicht für die Innovation und damit den zukünftigen Kundennutzen interessiert, wird langfristig nicht erfolgreich sein. Es ist die Aufgabe der Unternehmensleitung, neue Ideen einzubringen und diese auch von seinen Mitarbeitern einzufordern. An sie sollte das Top-Management-Team deshalb Verantwortung abgeben und auf ihr kreatives  Potenzial vertrauen, damit Ideen von vielfältigen Quellen entspringen können. Dieser Prozess kann durch ein Innovationsprogramm sowie Freiraum für Kreativität vorangetrieben werden.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Förderung der Innovationskultur durch das Top-Management stellt Tesla dar, eine der innovativsten Firmen weltweit. Um Kommunikation und Innovation innerhalb des Unternehmens zu stärken, hat Tesla eine innovative Struktur aufgebaut. Das Unternehmen ist in kleine, agile Teams aufgeteilt, wobei jedes Team an einem Produkt arbeitet. Innerhalb der Teams gibt es einen Produkt-Eigentümer, der die Verantwortung für das jeweilige Team und seine Teammitglieder übernimmt. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die einzelnen Teams autonom arbeiten können und die Komplexität der Koordination verringert wird. Tesla fördert durch diese flache Organisation die Kommunikation und Kreativität seiner Mitarbeiter.

Es sind aber nicht nur die ganz großen Unter-nehmen, die solche Strukturen etabliert haben, sondern auch mittelständische Familienunternehmen wie beispielsweise der Heizungs- und Klimatechnik-Hersteller Viessmann, der auf diese Weise seit mehr als 100 Jahren Innovationen vorantreibt und immer neue Lösungen entwickelt, die besser, nachhaltiger und klimaschonender sind als die vorherigen. Neben der Förderung durch das Top-Management ist es zudem nötig, den Innovationsprozess fest in die Kultur des Unternehmens zu integrieren.

Innovationskultur etablieren

Innovation stellt häufig ein vorgeordnetes Ziel von Unternehmen und keine Haltung dar. Um Innovation erfolgreich zu integrieren und umzusetzen, muss diese allerdings kulturell im Unternehmen verankert sein. Voraussetzung hierfür ist die bereits beschriebene Förderung durch das Top-Management, in der klar wird, dass neue Ideen erwünscht und Fehler einkalkuliert sind. Nur durch diese Verankerung der innovativen Denkweise im Unternehmen können Mitarbeiter zum Umdenken angeregt und die Kreativität entfaltet werden.

Redgate, eines der führenden Softwarehäuser mit Sitz in England, setzt dies durch verschiedene, kulturell verankerte Traditionen um. Es gibt die sogenannte „Coding by the Sea / Down Tools Week“: Hier wird eine Woche lang das Tagesgeschäft pausiert und alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich Innovationen verschiedenster Bereiche zu widmen. Zudem gibt es den „Sweat the small stuff day“: Alle Mitarbeiter beschäftigen sich an diesem Tag nur mit Alltagsproblemen, wie beispielsweise dem Aufräumen von Büros, der Aktualisierung veralteter Informationen oder der Verbesserung der Suchfunktion im Intranet. Bei der dritten Tradition „9 Postcards“ reicht jeder Mitarbeiter neun digitale Postkarten ein. Diese enthalten drei Ideen zur Verbesserung der eigenen Arbeit und Produktivität, drei Verbesserungsvorschläge für die eigene Abteilung und noch mal drei für das gesamte Unternehmen. So wird die Innovationskultur kontinuierlich gestärkt und neue Ideen der eigenen Mitarbeiter verbessern die Arbeitsweise im Unternehmen.

Alleine durch die Integration solch kleiner Maßnahmen bietet sich für Familienunternehmen die Möglichkeit, den Innovationsprozess fest in die Kultur des Unternehmens einzubinden, die Ideen aller Mitarbeiter abzuholen und deren Kreativität zu fördern. Auf diese Weise können zudem Innovationstrends frühzeitig erkannt werden.

Innovationstrends erkennen

Ein agiles Innovationssystem des Unternehmens ist fundamental, um Innovationstrends schnell zu erkennen und effizient zu verfolgen. Um langfristig erfolgreich zu sein, gilt es aufmerksam zu beobachten, was sich in der Welt und der eigenen Branche verändert. Hierbei kann neben den Ideen der eigenen Mitarbeiter, die Beobachtung des Wettbewerbs sowie der Kontakt mit den eigenen Kunden hilfreich sein. Indem der Kunde ein Problem aufzeigt, für das es bisher keine Lösung gibt, kann zukünftiges Potenzial entstehen. Problemfelder müssen analysiert werden, um zu erkennen, welche Produkte es morgen braucht.

Der intensive Kundenaustausch führt auch zum Erfolg von Tesla. Tesla beteiligt seine Kunden bei der Prüfung und Verbesserung von Produkten, was die Evolution von Produkten nachhaltig beeinflusst, zu Änderungen der Produkte führt und Prioritäten von bestimmten Merkmalen definiert. Ein weiteres Beispiel stellt das Familienunternehmen Rügenwalder Mühle dar, das seit 2014 neben den eigentlichen deftigen Wurst- und Fleischprodukten auch vegetarische und vegane Produkte herstellt. Durch das aufmerksame Beobachten des Marktes und den intensiven Austausch mit den eigenen Kunden wurde der Trend, Fleischkonsum zu reduzieren, und die zunehmend vegetarische und vegane Ernährungsweise frühzeitig erkannt. So werden den Konsumenten mit diesen Produkten fleischlose Alternativen mit deftigem Geschmack geboten.

Damit das Erkennen von Trends und Ideen für Innovationen erfolgreich umgesetzt werden können, müssen die richtigen Strukturen und Prozesse zugrunde liegen.

Strukturen und Prozesse schaffen

Eine definierte Struktur im Innovationsprozess verkürzt die Entwicklungszeit, verbessert die interne Kooperation, vereinfacht den effizienten Umgang mit Ressourcen und garantiert die Vollständigkeit des Innovationsprozesses. Unternehmen, die sich auf wenige Produkte und Prozesse fokussieren, sind erfolgreicher als andere. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Fokus auf Qualität und übersichtliche Strukturen zu setzen. Daraus lässt sich ableiten, dass Prozesse und Strukturen eines Unternehmens Innovationen fördern können. Generell gilt: Je professioneller und fokussierter der Bereich Innovationsmanagement aufgestellt ist, desto höher die Chance auf Erfolg. Genau definierte Strukturen und Prozesse sowie ein klares Portfolio machen eine Organisation zukunftsfähig und versetzen sie in die Lage, auf Veränderungen angemessen reagieren zu können.

Ein solcher Innovationsprozess könnte beispielsweise einer klaren Struktur folgen, die mit der Idee der Innovation beginnt. Anschließend erfolgt die Bewertung; fällt diese positiv aus, stellt der Pitch den nächsten Schritt dar. Darauf folgen ein Prototyp und Test, bis es im Optimalfall zur Kommerzialisierung des Produkts kommt. Um den Innovationsprozess so effektiv und effizient wie möglich zu gestalten, sollten Familienunternehmen eine klare Struktur schaffen, ein-zelne Schritte definieren und den gesamten Pro-zess einfach und schlank halten.

Kooperationen und Förderungen nutzen

Eine weitere Möglichkeit, Innovationen im Unternehmen erfolgreich zu verwirklichen, stellen Kooperationen und Förderungen dar. Häufig erlebt man noch, dass Unternehmen nicht nach links oder rechts schauen und so Chancen auf Förderungen und Innovationen durch Kooperationen verpassen. Dies können Familienunternehmen ganz einfach ändern – nämlich durch die Außenorientierung ihres Unternehmens. Es gilt, sich ein Netzwerk an Know-how-Trägern in verschiedenen Disziplinen aufzubauen. Um Innovationen voranzutreiben, sollen Kooperationen und Förderungen genutzt werden. Dabei ist zum einen die Zusammenarbeit mit besonders fortschrittlichen Kunden, Lieferanten sowie Wettbewerbern zu empfehlen, um deren Innovationspotenzial zu nutzen. Zum anderen gibt es beispielsweise zahlreiche Programme der Bundesregierung zur Förderung von Innovationen, welche eine essenzielle Chance bieten können.

Ein Beispiel für eine solche Kooperation bieten Viessmann und Priva, die ihre Kräfte im Rahmen einer Familienunternehmen-Kooperation bündeln, um die Entwicklung von Smart Buildings und Gartenbausystemen zu beschleunigen. Mit dem kombinierten Portfolio und globalen Synergien an Klima- und Umweltlösungen können beide Unternehmen nachhaltige Umgebungen für das Wohnen und Arbeiten sowie für den Gartenbau anbieten. Familienunternehmen können durch gebündelte Kräfte, die Kooperationen bieten, Synergien nutzen, Know-how teilen, Entwicklungen beschleunigen und neue, innovative Angebote aufnehmen.

Fazit

Innovation wird häufig nur als Prozess gesehen, was grob fahrlässig ist. Das gesamte Unternehmen muss in den Innovationsprozess involviert sein. Hierzu gehört zuallererst die Förderung durch das Top-Management, Innovationen im Unternehmen zu etablieren, Mitarbeiter hierbei zu fördern und die Innovationsstrategie unternehmensweit zu kommunizieren. Diese Innovationskultur muss im Unternehmen etabliert und verankert sein. Hierbei können verschiedene interne Traditionen zum Thema Innovationsentwicklung helfen. Der dritte Aspekt ist das Kennen von Innovationstrends. Hiermit hängt die Beobachtung des Markts und Wettbewerbs sowie der intensive Austausch mit Kunden zusammen. Unerlässlich sind die richtigen Strukturen und Prozesse, die klar definiert und möglichst schlank gehalten sein sollen, um einen effektiven und möglichst einfachen Innovationsprozess zuzulassen. Zuletzt sollten Unternehmen Kooperationen und Förderungen nutzen, um Know-how zu teilen und das Potenzial zukünftiger Chancen auszuweiten.

Innovation ja, aber richtig

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